Mit 93:97 musste sich der BBC Coburg am 13. Spieltag der ProB Süd bei der VR-Bank Würzburg Baskets Akademie geschlagen geben. Somit kassierten die Coburger nach dem 71:87 gegen Ulm aus der Vorwoche die zweite Niederlage in Folge. Beim Duell mit dem fränkischen Rivalen bekam der BBC defensiv kaum den Fuß in die Tür und konnte mit David Pisic besonders einen Mann auf Seiten der Würzburger zu keinem Zeitpunkt stoppen. 42 Punkte bei neun von 13 erfolgreichen Würfen aus der Distanz streute die Nummer zehn der Baskets den Vestestädtern ein und stellte damit nicht nur ein neues persönliches Career-High auf, sondern sorgte quasi im Alleingang für den dritten Saisonerfolg der Mannschaft von Alex King. Bester BBC-Werfer wurde US-Amerikaner Darius Dawson mit 30 Zählern. Zusätzlich sammelte der Power Forward auch 15 Rebounds ein und legte dementsprechend erneut ein Double-Double auf. Aufgrund der Coburger Niederlage in Würzburg und dem Heimsieg der Ulmer gegen Fellbach stehen nun die Schwaben an der Tabellenspitze der ProB Süd.
Coburgs Headcoach Patrick Seidel sieht bei seinen Schützlingen, dass ihnen gerade am defensiven Ende momentan die nötige Energie abhandengekommen ist, um die Gegenspieler vor sich zu halten: „Uns fehlt als Mannschaft aktuell einfach Konstanz und Kraft. Wenn man sich den Spielverlauf anschaut, der Start war nicht gut, dann nach einem kleinen Wachrüttler haben wir es sehr gut hinbekommen, unsere Sachen umzusetzen – offensiv auf jeden Fall, defensiv war einfach das Problem, dass wir deren Einzelspieler nicht unter Kontrolle bekommen haben. Das bricht uns halt irgendwann im Spiel das Genick, weil wenn die dann Selbstvertrauen aufbauen und wie in der zweiten Halbzeit in einen Lauf kommen, sind sie kaum noch zu stoppen. Unsere Offensive wurde auch mit der Dauer des Spiels immer fahriger und bestand immer mehr aus Einzelaktionen, was einfach so nicht funktioniert und auch nicht unser Spiel ist. Wir werden jetzt die nächste Woche auf jeden Fall etwas ändern müssen. Da werden wir schauen, dass wir die Belastung ein wenig herunterfahren, um auch einfach wieder frischere Beine zu bekommen. Gegen Langen wird es für uns extrem wichtig sein, deren Einzelspieler von vornherein zu kennen, sie aus dem Spiel zu nehmen und offensiv den Ball besser zu bewegen.“
Schlafmützig und mit den Gedanken anscheinend noch in der Kabine starteten die Coburger in das Frankenderby hinein und zwangen den BBC-Cheftrainer nach gerade einmal zwei Minuten zu einer schnellen Auszeit (2:9). Diese zeigte auch Wirkung – vor allem in der Offensive arbeiteten sich die Vestestädter des Öfteren an die Freiwurflinie, bauten so ihren Rhythmus auf und gingen dank eines Dreiers von Nico Höllerl Mitte des ersten Viertels in Führung (18:16). Zwei weitere erfolgreiche Wenzl-Distanzwürfe, ein krachender Alley-Oop Dunk von Theiß und ein And-One von Dawson brachten die Coburger nach den ersten zehn Minuten mit 29:23 in Front. Auch im zweiten Viertel ging die offensive Herrlichkeit des BBC nahtlos weiter. Wieder ein Höllerl-Dreier und ein Dawson-And-One gepaart mit fünf Zählern von Dylan Fasoyiro bauten den Vorsprung bis auf zwölf Punkte aus (40:28). Doch dann begann Würzburgs David Pisic allmählich Feuer zu fangen. Zwei Drei-Punkte-Würfe des Flügels und einer seines Kompagnon Marko Petric verkürzten auf 44:37. Auf der anderen Seite hielt Fasoyiro weiter die Coburger Offensiv-Fahne in der Hand, allerdings schlichen sich Stück für Stück immer Unkonzentriertheiten der Mannschaft von Patrick Seidel ein. Ein Dreier von Würzburgs Kapitän Lukas Roth und zwei weitere von Pisic brachten den BBC-Vorsprung bis zur Pause immer mehr zum Schmelzen (53:48).
Dieser Trend riss auch nach der Halbzeit nicht ab. Pisic, der den Vestestädtern im ersten Durchgang alleine schon 19 Zähler eingeschenkt hatte, hatte weiter das heiße Händchen von außen. Aber nicht nur er, auch Petric und Roth zeigten sich im dritten Viertel erneut treffsicher von der Dreierlinie. Der BBC hielt zunächst noch dagegen, versenkte ebenfalls den ein oder anderen Wurf jenseits der 6,75 Meter, verlor jedoch immer mehr den Zugriff auf die Partie – besonders am defensiven Ende. Würzburg dagegen spielte sich in einen Rausch und übernahm, nachdem Petric zum wiederholten Male die Coburger Defense überrannte, die Führung (61:63). Damit nicht genug. Acht weitere Zähler von Pisic zu nur zwei Coburger Freiwürfen stellten auf 63:71. Die Vestestädter steckten die Köpfe aber keineswegs in den Sand und kamen über Einzelaktionen von Fasoyiro und Dawson wieder auf einen Punkt heran (74:75). Es folgte – wie sollte es an diesem Nachmittag anders sein – nach zwei Zählern von Petric ein weiterer Dreier von Pisic. Nicht zu stoppen war der 22-jährige und er legte weiter nach, nur dieses Mal von innerhalb der Drei-Punkte-Linie. 76:86 lagen die Baskets bei der letzten Coburger Auszeit dreieinhalb Minuten vor dem Ende in Führung. Der BBC probierte noch einmal alles, packte die Ganzfeldpresse aus und rückte 17 Sekunden vor Schluss dank Dawson noch einmal bis auf 89:93 an die Hausherren heran. Tatsächlich erzwangen die Vestestäder den Turnover der Baskets und verkürzten durch Fasoyiro bei noch sieben Sekunden auf der Uhr auf 91:93. Anschließend warfen die Würzburger den Ball ein, doch die Spieluhr begann nicht weiterzulaufen. Die Coburger foulten, um die Uhr anzuhalten, doch diese war ja gar nicht erst gestartet. Infolgedessen kassierte BBC-Cheftrainer Patrick Seidel sein zweites technisches Foul, als er die Schiedsrichter auf das Nicht-Laufen der Uhr lautstark hingewiesen hatte. Das Resultat der anschließenden Besprechung am Kampfgericht: Drei Freiwürfe für Würzburg, einen für das technische Foul und zwei für das taktische Foul des BBC, um die eigentlich hätte laufende Uhr zu stoppen. Würzburg verwandelte alle drei Versuche und veredelte damit das Comeback zum Derbysieg.
BBC Coburg:
EGGER 2, Höllerl 11 (3 Rebounds, 3/6 Dreier), Neunhoeffer, Günther, WENZL 13 (5 Assists, 3 Rebounds, 4/7 Dreier), HERZOG 13, FASOYIRO 22 (3 Assists, 6 Rebounds), DAWSON 30 (15 Rebounds, 10/10 Freiwürfe), Deinlein dnp, Theiß 2, Lahr dnp, Ćosić
Nun heißt es für den BBC Coburg nach den beiden Dämpfern gegen Ulm und Würzburg, sich einmal neu zu sammeln und alle Kräfte vereint auf den Rückrundenauftakt und den zeitgleichen Jahresabschluss am kommenden Sonntag (21.12.) beim Aufsteiger aus Langen zu richten.


