Der Playoff-Run des BBC Coburg kommt im ProB-Halbfinale zum Erliegen. Vor 1.672 Zuschauern in einer in Blau strahlenden HUK-COBURG arena mussten sich die Vestestädter auch im zweiten Halbfinale gegen bärenstarke ETB Miners aus Essen mit 64:80 geschlagen geben. Vom Start weg unterstrichen die Gäste aus dem Ruhrgebiet dabei ihre Favoritenstellung, lagen die gesamte Partie über in Front und ziehen mit einer perfekten Playoff- und Auswärtsbilanz verdientermaßen ins Finale ein. Dort wartet die OrangeAcademy Ulm, die sich ebenfalls mit 2:0 gegen LOK BERNAU durchsetzen konnte. Gleichzeitig sicherten sich sowohl Ulm als auch die Miners mit dem Finaleinzug das sportliche Aufstiegsrecht für die ProA, während die beste ProB-Spielzeit der Vereinshistorie für den BBC nach der erst zweiten Heimniederlage überhaupt im Halbfinale zu Ende geht. Topscorer im letzten Heimspiel der Saison wurde Shooting Guard Dylan Fasoyiro mit 16 Punkten, der damit seinen Namen als eine der besten Coburger Verpflichtungen noch einmal unterstrich.
Auch wenn Patrick Seidel und seine Mannschaft die Halbfinal-Serie nur allzu gerne in ein Spiel 3 geschickt hätten, ist für den BBC-Cheftrainer trotz des Ausscheidens eines klar – diese Saison war besonders: „Was soll ich groß sagen zum Spiel? Tatsächlich überwiegt bei mir jetzt nicht die Enttäuschung oder die Frustration über die Niederlage, sondern viel mehr der Stolz und die Zufriedenheit über die komplette Saison! Wir haben ein überragendes Jahr gespielt, Historisches für den Coburger Basketball geleistet und ich bin jetzt einfach nur glücklich und sehr zufrieden darüber. An der Stelle möchte ich mich einfach bei allen Sponsoren, allen Partnern und vor allem bei allen Leuten, die drumherum alles dafür möglich machen, dass wir hier Basketball spielen können, bedanken. Ein großes Danke auch an meine Jungs! Es hat wahnsinnig viel Spaß mit euch gemacht! Ich hoffe, dass wir diesen Schwung mit in die neue Saison nehmen können. Und ob wir jetzt heute verloren oder gewonnen haben, da bin ich relativ entspannt, weil das nur die Kirsche auf der Sahnetorte in diesem unfassbaren Jahr war!“
Für ProB-Manager Christopher Neudecker war diese Saison eine Bestätigung dafür, dass sich der Verein sowohl aus sportlicher als auch aus struktureller Sicht definitiv im richtigen Fahrwasser befindet. Diese positive Entwicklung gilt es laut ihm nun weiter fortzusetzen: „Unser erklärtes Ziel vor der Saison war es, den ersten Playoff-Sieg der Vereinsgeschichte einzufahren. Dieses Ziel haben wir nicht nur erreicht, sondern wir haben unsere eigenen Erwartungen weit übertroffen. Im Halbfinale vor knapp 1.700 Zuschauern gegen das stärkste Team der gesamten ProB auszuscheiden, ist keine Niederlage, die uns den Kopf hängen lässt. Es ist der Beweis, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Jetzt geht es direkt weiter. Patrick Seidel und ich sitzen bereits zusammen und basteln am Kader für die nächste Saison. Nach der Saison ist bekanntlich vor der Saison, und wir wollen keine Zeit verlieren. Gemeinsam mit unseren Partnern arbeiten wir daran, auch organisatorisch den Abstand zur ProA weiter zu verkleinern. Der BBC Coburg will wachsen, sportlich sowie strukturell. Und diese Saison hat gezeigt, dass wir das können.“
Gleichzeitig bedankt sich auch Neudecker im Namen des gesamten Vereins bei allen Unterstützern und Helfern des Coburger Basketballs, die so eine erfolgreiche Saison überhaupt erst ermöglicht haben: „Ein großes Dankeschön gilt unseren Sponsoren und Partnern, die diesen Weg geebnet haben, unseren Gesellschaftern, die den Verein tragen, und natürlich unseren Fans, die uns in dieser Saison zu Hause und auswärts mit einer Leidenschaft unterstützt haben, die uns in jedem Spiel mitgetragen hat. In dieser Saison haben wir mehrfach die Marke von 1.000 Zuschauern geknackt, ein Zeichen dafür, dass Basketball in Coburg längst in der Mitte der Stadt angekommen ist. Darauf bauen wir auf. Unser besonderer Dank gilt auch all unseren Helfern und Ehrenamtlichen, die im Hintergrund unermüdlich dafür sorgen, dass an jedem Heimspieltag alles reibungslos läuft. Ohne diesen Einsatz wäre professioneller Basketball in Coburg schlicht nicht möglich. Sie sind ein unverzichtbarer Teil dieses Vereins.“
Ohne Finn Döntgens, der am selben Abend mit dem Kooperationspartner aus Bamberg beim MBC zugange war, dafür mit Nico Höllerl, der in Spiel 1 noch gefehlt hatte, begann der BBC sein bis dato größtes Spiel der Vereinsgeschichte. Allerdings verlief der Start alles andere als wünschenswert. Während die Miners vor allem früh von der Dreierlinie ihren Rhythmus fanden und sich zudem in der Anfangsphase immer wieder wichtige Rebounds am offensiven Brett holten, taten sich die Schützlinge von Patrick Seidel enorm schwer überhaupt etwas Zählbares aufs Scoreboard zu bringen. So führten die Gäste nach gut sechs gespielten Minuten durch den zweiten erfolgreichen Dreier von Paulo erstmals zweistellig (15:5). Auch die anschließende Auszeit von Coburgs Head Coach änderte nichts am vorherrschenden Bild des ersten Viertels. Zwar fand der BBC ab und zu Lösungen gegen die energische und intensive Defense der Miners, doch das zu selten. 11:24 und ohne einen einzigen Coburger Treffer aus der Distanz stand es nach dem ersten Spielabschnitt. Essen hingegen war da schon ganze viermal von außen erfolgreich.
Kapitän Nico Wenzl durchbrach anschließend zum Start ins zweite Viertel die Reihe an BBC-Fahrkarten von der Dreierlinie. Doch eine Initialzündung für das Coburger Spiel war das keineswegs. Der darauffolgende 6:0-Lauf der Miners, der von Kalinic per Dunk abgeschlossen wurde, nötigte Patrick Seidel schon früh in der ersten Hälfte seine zweite Auszeit zu nutzen (14:30). Dennoch blieb der BBC in der Offensive weiter kalt. Kaum zwei Vestestädter Angriffe hintereinander waren von Erfolg gekrönt. So stellten Paulo und Friederici Mitte des zweiten Viertels bereits auf 18:37. Dawson versenkte kurz darauf den zweiten Coburger Dreier an diesem Abend und tatsächlich arbeitete sich der BBC Stück für Stück bis zur Pause durch einige erfolgreiche Freiwürfe wieder näher an die Essener heran. Nach zwei Zählern von Dawson zum Abschluss der ersten Hälfte betrug der Rückstand nur noch elf Punkte (32:43).
Und in der Tat hatten die Coburger Anfang des dritten Viertels Möglichkeiten, den Miners sogar noch näher auf die Pelle zu rücken. Diese verpassten die Vestestädter allerdings, während Essen mit all seiner Abgezocktheit und Erfahrung immer im richtigen Moment zur Stelle war (39:56). Ein kurzes BBC-Strohfeuer flackerte nach einem 8:0-Run zwar noch einmal auf (47:56), doch auch das erlosch die Mannschaft von Lars Wendt völlig unaufgeregt. Satte 69 Prozent warfen die Miners aus dem Zwei-Punkte-Bereich, wohingegen den Coburgern besonders von der Dreierlinie weiterhin so gut wie gar nichts gelingen wollte. Lediglich 19 Prozent (5/27) der Würfe von außen fanden den Weg in den Essener Korb. So zog der Hauptrundensieger aus dem Norden wieder davon, ehe Jung Mitte des Schlussviertels mit einem langen Zweier bei ablaufender Shotclock den endgültigen Stich ins Coburger Herz setzte (54:75). Coburgs Cheftrainer Patrick Seidel gab infolgedessen seiner jungen Garde die letzten drei Minuten der Saison, während die Starting Five um Wenzl, Fasoyiro, Höllerl, Dawson und Theiß unter tosendem Applaus der HUK-COBURG arena vorzeitig Schichtende hatte. Mit Egger, Bittel und Neunhoeffer trugen sich anschließend gleich drei Youngster noch in die Punkteliste. Die schönste Szene an diesem Abend war jedoch der spontane Mannschaftskreis des gesamten Coburger Teams eineinhalb Minuten vor Ende. In seiner letzten Auszeit der Saison versammelte Seidel noch einmal all seine Schützlinge – egal ob verletzt oder nicht – um sich herum und richtete ausschließlich lobende Worte an alle, bevor die letzten Sekunden einer denkwürdigen BBC-Saison zu Ende gingen.
BBC Coburg:
Egger 5, HÖLLERL 5, Neunhoeffer 5, Günther (3 Assists, 4 Rebounds), WENZL 6 (5 Assists, 4 Rebounds), FASOYIRO 16 (6 Rebounds), DAWSON 8 (3 Assists, 3 Rebounds), Deinlein 4, THEIß 6 (3 Rebounds), Bittel 2, Ćosić 7 (3 Rebounds)


