Nach einer Partie mit zwei Halbzeiten, die unterschiedlicher wohl kaum hätten sein können, kassierte der BBC Coburg am 17. Spieltag der ProB Süd bei den SKYLINERS Juniors die fünfte Niederlage in dieser Saison. Beim 70:74 legten die Vestestädter im ersten Durchgang eine, wenn nicht sogar die beste erste Halbzeit in dieser Spielzeit hin (48:30), nur um nach der Pause sowohl offensiv als auch defensiv erst den Faden und schlussendlich auch das Spiel zu verlieren. Coburger Topscorer wurde Power Forward Darius Dawson mit 19 Punkten.
Auf 20 Minuten, an denen es auch für Cheftrainer Patrick Seidel kaum etwas auszusetzen gab, folgten für die wieder zahlreich mitgereisten BBC-Fans 20 Minuten zum Vergessen: „Heute haben wir leider mit zwei Gesichtern gespielt. In der ersten Hälfte war das sehr, sehr gut. Da haben wir in der Offensive den Ball schön bewegt und waren defensiv extrem aggressiv. Jeder war mit Selbstvertrauen auf dem Feld und in der zweiten Halbzeit zeigen wir dann ein komplett anderes Gesicht. Da haben wir die Frankfurter offensiv machen lassen, was sie wollten. Fast in jedem Angriff sind sie bis zum Korb durchgekommen, dazu waren wir in der Hilfe jedes Mal zu spät dran. Offensiv haben wir es nicht mehr geschafft, den Ball zu bewegen. Ohne Ballbewegung schaut bei uns jeder nicht gut aus, weil wir für unser Spiel Ballbewegung, freie Würfe und offene Linien zum Korb brauchen und die kriegen wir nicht, wenn der Ball nach zwei Pässen gehalten wird. Insofern haben wir mit Blick auf die zweite Halbzeit verdient verloren. Das ist nach einer so tollen ersten Hälfte natürlich sehr ärgerlich, aber Glückwunsch an Frankfurt, die den Schalter nach der Pause gut umgelegt haben. Jetzt hoffen wir, dass wir endlich wieder alle Mann an Bord bekommen, unsere Trainingssituation dadurch verbessern und gegen Bayern zurückschlagen.“
Wie schon beim Gastspiel in Ulm vor zwei Wochen legte der BBC los wie die berühmte Feuerwehr. Zwar mussten die Coburger mit Nico Wenzl weiterhin auf ihren Kapitän und Spiritus Rector verzichten, doch das erneute Fehlen des Aufbauspielers machte sich besonders in den Anfangsminuten keineswegs bemerkbar, ganz im Gegenteil: Die Vestestädter kamen brandheiß aus der Kabine. Dawson eröffnete das Spiel direkt mit einem erfolgreichen Dreier, dem gleich zwölf weitere Coburger und nur zwei Frankfurter Zähler folgen sollten. Nach einem Steal mit anschließenden Punkten durch Lahr stellte der BBC Mitte des ersten Viertels sogar schon auf 15 vor (17:2). Offensiv lief der Ball dabei teils traumhaft durch die eigenen Reihen, dazu fielen nach langer Zeit auch endlich mal wieder die freien Würfe von außen hochprozentig. Aber besonders am defensiven Ende legten die Coburger eine Intensität und Aggressivität an den Tag, mit der die Juniors große Probleme hatten. Zu ganzen sieben Turnover zwang der BBC die Hausherren alleine im ersten Viertel, das der Ex-Frankfurter Leo Ćosić, der aufgrund einer gebrochenen Nase mit Maske spielte, per Buzzer Beater zum 27:12 abschloss. Zu Beginn der zweiten zehn Minuten suchten die Frankfurter in der Offensive vermehrt ihr Glück im Low Post. Immer wieder ging der Ball zu ihrem Big Man Florian Dietrich unter den Korb, der mit sechs Punkten in Folge die SKYLINERS wieder auf 33:25 heranbrachte. Doch auch diese kurze Schwächephase überstanden die Coburger. BBC-Youngster Felix Egger, der mit zehn Zählern ein neues persönliches Career-High in der ProB aufstellte, gab mit seinen Dreier den Startschuss für einen 13:0-Run der Vestestädter (46:25). Starke 47 Prozent (7/15) warfen die Coburger in der ersten Halbzeit von jenseits der Dreierlinie. Mit einer 48:30-Führung und einem ersten Durchgang, mit dem man mehr als zufrieden sein konnte, ging der BBC in die Halbzeitpause.
Doch von all der Coburger Herrlichkeit der ersten 20 Minuten war in der zweiten Hälfte nur noch wenig zu sehen. Nach einigen erfolgreichen Drives der Frankfurter zum Korb begann das Coburger Defensiv-Konstrukt so langsam zu bröckeln (50:38). Zusätzlich fand bei den Juniors Desmond Watson seinen Rhythmus. Der US-Amerikaner, der in der Weihnachtspause nachverpflichtet wurde, übernahm in dieser Phase für seine Mannschaft. 13 seiner 28 Punkte erzielte der Guard im dritten Viertel und sorgte dafür, dass die SKYLINERS nicht nur den Rückstand immer weiter verkürzten, sondern auch mehr und mehr die Spielkontrolle an sich rissen. Zwar fielen auf Coburger Seite die Würfe von außen weiterhin auf einem ordentlichen Niveau, doch auch diese wurden von Mal zu Mal immer schwerer. Ungeachtet dessen stand es nach dem dritten Spielabschnitt noch 61:56 für den BBC. Es fühlte sich allerdings nur nach einer Frage der Zeit an, bis die Frankfurter das erste Mal in Führung gehen sollten. Nichts war mehr von dem selbstbewussten und souveränen Coburger Auftreten aus der ersten Halbzeit zu sehen. Vor allem offensiv hatten die Schützlinge von Patrick Seidel damit zu kämpfen, sich gute Würfe herauszuspielen. Oftmals lief die Shot Clock ab, wodurch Notwürfe die Folge waren. Trotz alledem blieben die Coburger weiter in Front, da die SKYLINERS einige Chancen verpassten, selbst in Führung zu gehen und die Vestestädter dank Einzelaktionen von Dawson und Herzog im richtigen Moment zu Punkten kamen. Erst nach zwei vergebenen Freiwürfen von Höllerl eine Minute vor dem Ende beim Stand von 70:69 für den BBC brachte Ivan Crnjac die Hessen erstmals im gesamten Spiel in Führung (70:71). Auf der anderen Seite wurde Dawson geblockt und Frankfurts Top-Talent Jamie Edoka stellte mit zwei erfolgreichen Freiwürfen 17 Sekunden vor Schluss auf 70:73. Der BBC hatte in Person von Höllerl zwar noch einmal die Gelegenheit, die Verlängerung zu erzwingen, aber ein viel zu überhasteter Versuch des Forwards verfehlte sein Ziel.
BBC Coburg:
Egger 10, HÖLLERL 13, Neunhoeffer (3 Rebounds), Günther 2, HERZOG 6, FASOYIRO 12 (6 Rebounds), DAWSON 19 (5 Assists, 6 Rebounds, 2 Blocks), Theiß dnp, LAHR 2, Döntgens 3, Ćosić 3 (4 Rebounds)
Für den BBC lautet das Motto nun: Mund abputzen, die Fehler aus Durchgang zwei analysieren und nach einem spielfreien Wochenende am Sonntag in zwei Wochen (01.02.) gegen den FC Bayern Basketball II Saisonsieg Nummer zwölf ins Visier nehmen.


