Das lange Warten hat ein Ende! Gut viereinhalb Monate nach dem verlorenen Halbfinale gegen den späteren ProB-Meister aus Essen und dem damit verbundenen Ende der besten Spielzeit der Vereinshistorie startet der BBC Coburg mit neuem, aber auch altbekannten Personal in die inzwischen bereits 10. Saison in Deutschlands dritthöchster Spielklasse. Zum Auftakt wartet am kommenden Sonntagnachmittag mit dem Auswärtsspiel beim Nachwuchs der RIESEN aus Ludwigsburg gleich einmal ein Vorjahres-Viertelfinalist auf die Mannschaft von Head Coach Patrick Seidel. Tip-off in der Rundsporthalle Ludwigsburg ist um 16 Uhr. Wie auch schon in der letzten Saison wird das Coburger Eröffnungsspiel live und kostenlos auf Sporteurope.TV zu sehen sein.
„Consistency is key“, hieß das Motto auch in diesem Sommer in der Vestestadt. Nach dem großen Umbruch vor zwei Jahren, bei dem damals bis auf zwei Spieler einmal alles auf links gedreht wurde, dürfen die Coburger Fans ähnlich zur Vorsaison auch in dieser Spielzeit gleich neun bekannte Gesichter willkommen heißen. Neben den vier Youngstern Felix Egger, Erik Neunhoeffer, Julian Günther und Jonas Mendl, der vom Trainingsspieler in den Kader befördert wurde, kehrt mit Kapitän Nico Wenzl, Forward Tim Herzog, Aufbauspieler Pepe Lahr und den beiden Big Men Leo Ćosić und Marc Deinlein ein Grundgerüst unter die Fittiche von Cheftrainer Patrick Seidel zurück.
Auf der Abgangsseite wiegen dagegen allen voran die Verluste von Topscorer Dylan Fasoyiro und Allrounder Darius Dawson, der in der kommenden Spielzeit für Essen in der ProA auf Korbjagd gehen wird, schwer. Ebenfalls in der zweiten Liga will sich nach fünf Jahren im Coburger Dress auch Nico Höllerl beweisen, der mit den HAKRO Merlins Crailsheim Angriff auf die BBL nehmen möchte, während die beiden Center Ole Theiß (Iserlohn Kangaroos) und Finn Döntgens (University of Charleston) die ProB Nord bzw. am College aufmischen wollen.
Frische Firepower für die Vestestadt
Doch für Ersatz wurde gesorgt: Mit Savion Brown entschied sich erneut ein vielversprechender US-Guard für das Coburger Basketballprojekt. Der 22-jährige überzeugte in den Vorbereitungsspielen bereits ein ums andere Mal mit seiner Treffsicherheit von jenseits der Dreipunktelinie, erwies sich aber auch am defensiven Ende als durchaus wichtiger Faktor im BBC-Spiel. Für ein äußerst scharf eingestelltes Visier von außen steht auch Erik Larsen, der im Sommer aus Paderborn den Schritt nach Oberfranken wagte.
Hinzu kommen die beiden Doppellizenzspieler Benjamin Koppke und Jakob Lang, die sich neben dem dunkelblauen Trikot auch im feuerroten Jersey von Coburgs Kooperationspartner aus Bamberg in der Bundesliga zeigen dürfen. Tatsächlich heißt der Gegner für die beiden am Wochenende gleich zweimal Ludwigsburg. Denn bereits am Samstag trifft der amtierende Pokalsieger in heimischer Halle auf die MHP RIESEN, ehe es keine 48 Stunden später zum Duell zwischen den jungen RIESEN und dem BBC kommt.
Abgerundet wird die Liste der Coburger Neuzugänge mit Theodor Reyels, Leonard Kant und Jakob Fölbach, die allesamt nicht nur an die Itz, sondern auch zeitgleich an die Baunach wechseln und dort in der 2. Regionalliga auf sich aufmerksam machen sollen.
Aufmerksamkeit zog in der abgelaufenen Saison auch der alte und neue BBC-Kapitän Nico Wenzl auf sich. Mit 11 Punkten und 6,4 Assists war der 25-jährige der Denker und Lenker auf dem Parkett. Der Aufbauspieler entschied sich nach seiner persönlich besten Spielzeit als Profi im Sommer für einen Verbleib und geht damit mit kurzer Unterbrechung in seine insgesamt vierte Spielzeit in der Vestestadt. Die Vorfreude auf die anstehenden Monate ist groß, hält aber auch einige Aufgaben bereit, wie Coburgs Nummer 8 meint: „Zunächst einmal bin ich froh, dass es endlich wieder losgeht. Wir haben in den letzten Wochen eine intensive und lehrreiche Preseason hinter uns, die uns aufgezeigt hat, wo unsere Stärken, aber auch unsere Schwächen liegen. Diese gilt es von nun an, Stück für Stück anzugehen und abzustellen. Die Vorbereitung hat uns aber auch gezeigt, was unsere Teamidentität sein wird. Wir wollen hart verteidigen und in der Offensive schnellen und attraktiven Teambasketball spielen. Dabei kommt mit Ludwigsburg zum Start ein immer sehr unangenehmes Auswärtsspiel auf uns zu, da Ludwigsburg immer mit sehr viel Größe, Athletik und hektischer Defense überzeugt und man vor allem jetzt nicht so wirklich weiß, wer bei ihnen mit dabei sein wird.“
Neue Besen kehren gut — auch in Lubu?
Denn im Gegensatz zu den Coburgern nahm der Viertelfinalist aus der Vorsaison gleich zahlreiche Veränderungen auf einmal im Kader vor. Die wichtigste fand dabei auf der Position des Head Coaches statt: Kheeryoung Rhee stieg nach vier Jahren als ProB- und NBBL-Hauptübungsleiter zum Assistant Coach des Ludwigsburger BBL-Teams auf. An seiner Stelle unterschrieb Jordi Saltó Sabaté bei den Gelb-Schwarzen, der zuvor noch Co-Trainer unter Lubu-Legende David McCray in Crailsheim war. Gemeinsam mit seinem „Chef“ folgte auch der Spanier dem Lockruf aus der rund 100 Kilometer entfernten Barockstadt, während McCray die Rolle des Sportlichen Leiters übernimmt.
Aber auch auf Spielerseite rückten mit Toptalent Julis Baumer (12,9 Punkte in der Vorsaison) und Maxwell Dongmo Temoka (6,9 Punkte) zwei Spieler vollends in die erste Mannschaft auf. Dazu wechselte Topscorer Simon Feneberg (13,7 Punkte) zum ProA-Nachbarn nach Tübingen, während es Marko Masic (10,1 Punkte) ans College zog. Ersetzen wollen die Schwaben das abgewanderte Scoring mit Talenten aus dem eigenen Nachwuchs. Dazu holte man sich mit Lino Duarte und Max Riedel weitere Qualität von außerhalb ins eigene Haus. Duarte kommt vom ProB-Süd-Aufsteiger aus Reutlingen, wo er vergangene Spielzeit mit knapp 12 Punkten im Schnitt und einer Dreierquote von 37 Prozent gehörigen Anteil an der Meisterschaft der Ravens hatte. Auch Riedel, der zuletzt für Charlottenburg in der Regionalliga auflief (15 Punkte pro Partie) und bereits einige starke Auftritte in der Vorbereitung zu verzeichnen hat, schnürt seine Schuhe ab sofort in der Barockstadt.
Mit zwei Siegen zu drei Niederlagen hatte die Vorbereitung der Ludwigsburger Zweitvertretung sowohl Höhen als auch Tiefen zu verbuchen. Apropos Vorbereitung: Die gestaltet sich mit Hinblick auf den kommenden Sonntag als durchaus herausfordernd, wie Coburgs Cheftrainer Patrick Seidel berichtet: „Die Vorbereitung auf Ludwigsburg ist relativ schwierig, da sie offiziell auf der Liga-Homepage kaum Spieler gemeldet haben, das heißt, man musste ganz viele Presseberichte durchforsten, um überhaupt den Kader zusammenzufügen. Zusätzlich haben sie auch im Videoportal leider nicht die Vorgaben der Liga eingehalten und haben nur ein Spiel hochgeladen, das auch noch vor dem Zeitraum der offiziellen Hochladefrist liegt und ein zweites Spiel gar nicht. Dementsprechend ist eine richtige Vorbereitung auf Ludwigsburg sehr schwierig. Sie werden aber wieder ein sehr junges Team haben, was athletisch ist und aggressiv verteidigen wird. Wie auch schon in den Vorsaisons haben sie einige BBL-Talente dabei, wo man am Ende sehen muss, welche davon überhaupt dabei sind. Deshalb ist es für uns besonders wichtig, dass wir uns einfach auf uns selbst konzentrieren und den Fokus darauf legen, unser Spiel zu spielen, weil eine tiefgründige Vorbereitung auf Ludwigsburg einfach sehr, sehr kompliziert ist.“


